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06.05.2019

Ein Tag im Leben einer Bundesfreiwilligendienstleistenden

Brandbekämpfung – eine der wichtigsten Basic-Ausbildungen der Feuerwehrschule

„Weg von der Wissensvermittlung, hin zum Tun.“ So das Ziel der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg. Wie realitätsnah ist unsere Ausbildung wirklich? Diesen Erfahrungsbericht hat uns unsere Bundesfreiwilligendienstleistende Antonia Spall zusammengestellt:

„Angriffstrupp zur Menschenrettung und Brandbekämpfung unter Atemschutz mit dem ersten C-Rohr ins erste Untergeschoss über das Treppenhaus vor“ Ich sah meinen Kollegen an, während er den Einsatzbefehl Wort für Wort wiederholte, um dem Gruppenführer zu signalisieren, dass er alles verstanden hatte. Gemeinsam machten wir uns daran unsere Ausrüstung einzusammeln, die schon für uns bereitlag.

Ein Schlauchpaket; das Hooligan-Tool; einen C-Rollschlauch, der bereits in voller Länge vor der Türe lag; eine Feuerwehraxt und den Rauchvorhang. Fertig ausgestattet traten wir den Weg zu unserem Einsatzort an, ohne zu wissen, was genau uns erwartete. Alle Pläne, die wir gemacht, alle Taktiken, die wir besprochen hatten waren wie weggewischt aus unseren Gedanken, als wir den ersten Schritt in die Nullsicht der Brandwohnung machten.

Von nun an galt es zu funktionieren, gleichermaßen instinktiv wie überlegt zu handeln und sich trotz des enormen Stresses nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Zügig richteten wir uns unsere Schlauchreserve her, damit wir im weiteren Verlauf keine Probleme bekommen würden. Mit dem Schlauch beginnt und endet ein Innenangriff. Wenn dieser Schritt nicht richtig sitzt hat man so gut wie keine Chance auf einen guten Einsatz, denn ohne Wasser kein weiteres Vorgehen. Wir gingen auf die Knie, da so die Hitze erträglicher war, und bewegten uns zügig vorwärts, denn wir wussten, wir hatten keine Zeit zu verlieren.

Mit jeder Minute wurden die Überlebenschancen der Personen in der Wohnung kleiner. Mein Partner machte Kleinholz aus der ersten verschlossenen Türe, die uns begegnete. Sowas durfte uns zu diesem Zeitpunkt nicht mehr aufhalten. Viel sehen konnten wir nicht, also machten wir uns daran weiter vorzugehen. Wir hatten noch keine zwei Schritte in den Gang gemacht, als sich unsere Situation plötzlich drastisch veränderte. Wir hatten die Hitze um uns herum nicht ernst genug genommen und bekamen nun die Rechnung dafür.

Am Ende des Ganges entzündete sich die Rauchschicht und eine riesige, tödliche Welle aus Feuer rollte auf uns zu. In diesem Moment half kein Nachdenken mehr. Wir mussten einfach handeln. Mein Partner packte mich an meiner Atemluftflasche und zog mich nach hinten während ich das Strahlrohr aufriss und eine Wasserwand zwischen uns und die Flammen brachte. „Reagiert in letzter Sekunde.“ Die Welle rollte über uns hinweg und wir löschten sie vollkommen ab. Nochmal würden wir es definitiv nicht so weit kommen lassen!

Nachdem ich mich vergewissert hatte, dass es uns beiden gut geht, bewegten wir uns weiter den Gang entlang, bis wir eine weitere Tür entdeckten. In einem kurzen Moment der Ruhe, in dem wir uns positionierten, um die Türe geschützt öffnen zu können entdeckte ich ein flackerndes Leuchten das durch das Schlüsselloch sichtbar war. „FEUER“ rief ich meinem Trupp-Kollegen zu. Er verstand und nickte. Als wir die Tür öffneten schlug uns sofort die Hitze entgegen. Wir näherten uns dem Brandherd. Als wir aufstanden, um mit dem Strahlrohr einen besseren Winkel auf das Feuer zu haben, bemerkten wir einen deutlich besseren Löscheffekt und fuhren fort die Flammen zu bekämpfen.

Nach ein paar letzten Sprühstößen war das Feuer endlich aus. Wir meldeten uns bei unserem Gruppenführer und begannen mit der Personensuche. Stück für Stück, Ecke für Ecke durchkämmten wir den Raum, bis meine Hand etwas Weiches berührte. Die Meldung war in Sekundenschnelle abgesetzt und wir hatten die Hände frei, um die bewusstlose Person aus dem Gefahrenbereich zu bringen.

Unser Strahlrohr ließen wir zurück. Auch so war es schwer genug den Bewusstlosen über den Boden zu schleifen. Die fehlende Körperspannung machte unseren Versuch, den Feuerwehrhaltegurt zu verwenden zunichte und so zogen wir einfach was wir zu fassen bekamen.

Laut schnaufend erreichten wir schließlich die Treppe über die wir hereingekommen waren. „Übungsende! Legt ab, wir treffen uns gleich zur Nachbesprechung. Die Puppe könnt ihr hierlassen“ Das ließen wir uns nicht zweimal sagen! Glücklicherweise war der Einsatz, den wir die letzte Viertelstunde bearbeitet hatten eine Übung gewesen. Eine Übung unter extrem realistischen Bedingungen!

Der komplett in schwarz gekleidete Ausbilder, der unser Vorgehen durch eine Wärmebildkamera beobachtet hatte und jederzeit bereit gewesen war, den Not-Aus-Schalter zu drücken, verließ mit uns das verqualmte Treppenhaus. Was hinter uns lag war ein Szenario im Brandhaus der staatlichen Feuerwehrschule Würzburg. Hier bekommen Lehrgangsteilnehmer die Möglichkeit, beim „Verhaltenstraining im Brandfall“ ihre Fähigkeiten in der Brandbekämpfung unter Atemschutz zu trainieren und aufzupolieren. Während des zweitägigen Lehrgangs wird jeder Teilnehmer 4 Innenangriffe fahren und dabei nur auf seine Fähigkeiten und die seines Partners zurückgreifen können.

Neben der Erfahrung, die man dabei über sich und seine Grenzen sammelt, erhält man nach jeder Übung ein ausführliches, individuelles Feedback von seinem Ausbilder. So kann man innerhalb weniger Übungsstunden seine Fähigkeiten um ein Vielfaches verbessern.

Alles in allem ist das Brandhaus ein rundes Konzept und ich bin froh, dass ich die Chance hatte, daran teilzunehmen!