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12.12.2013 Kategorie: Fachinformationen

Wenn aus der gemütlichen Weihnachtsfeier ein verheerendes Weihnachtsfeuer wird....

Die Staatliche Feuerwehrschule Würzburg gibt Brandschutz-Tipps zur Weihnachtszeit

Die Weihnachtszeit naht. Alle Jahre wieder ist dann bei der Feuerwehr Hochkonjunktur angemeldet. Bundesweit ereignen sich jährlich mehrere tausend Weihnachtsbaumbrände. Sie machen aus einer gemütlichen Weihnachtsfeier ein verheerendes Weihnachtsfeuer, wobei Schäden in Millionenhöhe und nicht zuletzt auch Verletzte oder Tote zu beklagen sind.

Seit es in den vergangenen 12 Monaten in Süddeutschland zu mehreren schweren Bränden mit zahlreichen Toten durch Rauchvergiftungen kam, wie z.B. ein Wohnhausbrand in Backnang oder das Feuer in einer Behindertenwerkstätte in Titisee-Neustadt, ist die Gefährlichkeit von Feuer und Rauch wieder mehr ins Bewusstsein gerückt.

Die Staatliche Feuerwehrschule Würzburg gibt Tipps, wie man sich vor unliebsamen Überraschungen schützen kann.

Je trockener der Baum, desto „explosiver" ist er!

Rund 400.000 Nadeln hat die „Standardausführung“ eines Weihnachtsbaumes, eine Fichte von 2,20 Meter Höhe. Die Nadeln stellen dabei die gefährlichste Brandlast des Baumes dar. 400.000 Einzelelemente von brennbarem Stoff, die sich im Abstand von nur wenigen Millimetern befinden und deren Inneres aus winzig kleinen Harznestern besteht. Gewebe, dessen Festigkeit sich mit dem Feuchtigkeitsgehalt erhöht und am ungeschlagenen Baum nahezu die Brandschutzklasse „schwerentflammbar" erreicht. Über 2-3 Wochen lang erhalten die Nadeln, nachdem die Weihnachtsbäume Ende November geschlagen wurden, dann keine Feuchtigkeit mehr, dörren aus und werden zunehmend brennbarer.

Erhitzen nun brennende Kerzen diese kleinen Harzseen im Inneren einer Nadel, so beginnt das Harz sich zu verflüssigen und zu verdampfen. Dabei wird ein derart hoher Druck aufgebaut, dass das umschließende pflanzliche Gewebe wie bei einer Explosion auseinander gerissen wird. Je trockener der Baum, desto früher setzt dieser Vorgang ein. Der dabei entstandene Druck kann so stark ansteigen, dass durch die Explosion Luftmassen verdrängt und unmittelbar in der Nachbarschaft stehende Kerzen buchstäblich ausgeblasen werden.

Im Wohnzimmer platzt das Fenster...

Lametta fackelt ab und noch aufrecht stehende Kerzen geben ihre Standfestigkeit auf. Innerhalb weniger Sekunden steht der ganze Baum in Flammen. Geschenkkartons- und -papier, Vorhänge und andere brennbare Materialien werden von den Flammen erfasst. Irgendwann wird der Baum durch den unterschiedlichen Abbrand kopflastig, stürzt um und setzt die Brandausbreitung fort. Während die Familie im Esszimmer die Weihnachtsgans tranchiert, platzen im Wohnzimmer die Fenster.

Und dabei ist es doch so einfach, einem Christbaumbrand schon vor dem Anzünden vorzubeugen:

  • Kaufen Sie ihren Baum erst kurz vor dem Fest und achten Sie darauf, dass er nicht nadelt. Bewahren Sie Ihn möglichst lange im Freien auf und stellen Sie ihn in einen Behälter mit Wasser, damit er länger frisch bleibt.
  • Kommt der Baum dann endlich in die Wohnung, so sollte er dort immer auf festem Untergrund aufgestellt werden, mit einem großflächigen Ständer gegen Umfallen gesichert sein und sich nicht in unmittelbarer Nähe von Heizquellen, offenem Feuer oder leicht brennbaren Gegenständen (z. B. Gardinen) befinden. Die Türen müssen als Fluchtwege frei sein. Dies gilt genauso für künstliche Bäume, die ebenfalls brennbar sind.
  • Brandschutzimprägnierung verringert zwar die Brennbarkeit, verhindert aber das Entflammen nicht völlig.
  • Elektrische Kerzen sind sicherer als Wachskerzen. Wer dennoch auf Wachskerzen nicht verzichten möchte, muss sie fest anbringen und zwar so, dass darüber hängende Äste nicht entzündet werden können. Kerzenhalter mit Kugelgelenken und Auffangschalen aus feuerfestem Material sollten möglichst verwendet werden. Bei elektrischen Kerzen ist stets auf einwandfreie Leitungen und Anschlüsse zu achten.
  • Christbaumschmuck sollte der Anforderung „nicht brennbar“ entsprechen. Auf Watte, Papier oder Zellhorn sollte gänzlich verzichtet werden. Besondere Vorsicht ist beim Umgang mit Wunderkerzen geboten.
  • Die Kerzen stets von oben nach unten anzünden. Zu löschen sind sie·in umgekehrter Richtung. Dass die brennenden Kerzen dabei immer beaufsichtigt bleiben müssen, versteht sich von selber.
  • Zündhölzer und Feuerzeuge sind an einem für Kinder nicht erreichbaren Ort zu verwahren. Die Kinder können die Gefahren im Umgang mit brennbaren Stoffen noch nicht richtig einschätzen.

Brandgefahr am Christbaum durch elektrische Lichterketten

Obwohl elektrische Lichterketten erheblich weniger gefährlich als offene Kerzen sind, müssen auch hier einige Regeln beachtet werden:

  • Achten Sie beim Kauf der Lichterkette immer auf geprüfte Qualität. Diese kann am CE-Zeichen und/oder GS-Zeichen erkannt werden.
  • Defekte Isolierungen der Drähte oder Glühbirnchen können einen Kurzschluß auslösen. Befinden sich in Nähe des Fehlers leicht brennbare Materialien wie z.B. Strohsterne oder Watte, kann es zu einem Brand kommen. Beim Aufhängen der Kette sollte diese daher auf schadhafte Stellen geprüft und im Zweifelsfall entsorgt werden.  
  • Am besten verwenden Sie Lichterketten, die nicht direkt in die Steckdose gesteckt werden sondern über einen Transformator betrieben werden. Hier sind nur ungefährliche Stromspannungen an der Kette vorhanden.  
  • Lichterketten mit LED-Leuchten arbeiten ohne große Wärmeabstrahlung
  • Lichterketten sollten wie alle elektrischen Geräte in einer Wohnung nie unbeaufsichtigt betrieben werden. Schalten Sie daher bei Nacht oder wenn sie das Haus verlassen die Kette aus.

Sollte es trotz aller Vorsicht doch zu einem Brand kommen, muss der Baum von oben nach unten abgelöscht werden. Zum Löschen eignen sich Feuerlöscher, die mit Wasser gefüllt sind, gute Feuerlöschspraydosen oder am einfachsten ein Eimer Wasser. Aber bitte daran denken: Wird erst im Notfall ein Eimer mit Wasser befüllt oder der Feuerlöscher aus dem Keller geholt, kann es zu spät sein.  

Im Ernstfall ist immer die Feuerwehr zu alarmieren: Notruf 112.  

Übrigens: Ist etwas passiert, dann springen meist jene Hausratversicherer auch für Schäden am Inventar ein, die sonst bei Brand, Explosion und Löschwasserschaden bezahlen – sofern der Versicherungsnehmer nicht einfache Sicherheitsvorkehrungen missachtet hat. Sind darüber hinaus Schäden, etwa in der Mietwohnung, entstanden, bezahlt meist die private Haftpflichtversicherung. Kommt es in Eigentumswohnungen oder Eigenheimen zu solchen Brandschäden, tritt in der Regel die Gebäudeversicherung ein.