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Feuerwehr­schule

Bootshafen der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg feierlich eröffnet

Ausbildung

Die Staatliche Feuerwehrschule Würzburg ist neben Regensburg und Geretsried eine der drei Staatlichen Feuerwehrschulen Bayerns. Ein besonderer Kompetenzbereich in Würzburg ist seit Beginn der Siebzigerjahre die Wasserausbildung der Feuerwehren. Diese beinhaltet die Schwerpunkte Fahren auf dem Wasser, Aus- und Fortbildung von Bootsführern und die Gefahrenabwehr bei Hochwasser.

Auch die Bewältigung von Umweltschutzeinsätzen an und auf stehenden und fließenden Gewässern, die Ausbildung an Ölsperren und die Beseitigung von Gewässerverunreinigungen wie z. B. Heizöl, Dieselkraftstoff und Benzin sowie die Wasser- und Eisrettung gehören zum Ausbildungsprogramm. Die Schulungen erfolgen in einwöchigen Kursen und finden im Wesentlichen in der Sommerzeit statt. Ab sofort können die Übungen in dem neu errichteten Hafenbecken am Mainufer und auf dem benachbarten Main durchgeführt werden. Die Lehrgangsteilnehmer aus ganz Bayern sind hierbei in unmittelbarer Nähe in der benachbarten Feuerwehrschule untergebracht, die zu Fuß in nur wenigen Minuten erreichbar ist.

Die Teilnehmer der Lehrgänge verfügen meist über keinerlei Vorkenntnisse oder Praxiserfahrungen. Deshalb müssen die ersten Fahr- und Anlegemanöver in einem sicheren Umfeld ohne Begegnungsverkehr außerhalb der Schifffahrtsstraße durchgeführt werden, bevor mit den ca. 10 m langen Booten Ausbildung auf fließendem Gewässer stattfinden kann. Bisher musste dazu unter Inkaufnahme erheblicher Fahrzeiten mit den schweren LKW und Bootsanhängern eine provisorische Anlegestelle im Landkreis in  Margetshöchheim angefahren werden. Dies ging zu Lasten der überwiegend ehrenamtlich tätigen Kursteilnehmer, da durch die Transfer- und Logistikfahrten täglich wertvolle Zeit verloren ging, die nun voll und ganz der Ausbildung zu Gute kommen kann.

Bauwerk

Der Bootshafen setzt sich aus mehreren Teilen zusammen. Das Hafenbecken misst eine Länge von 100 Metern und eine Breite von 27 Metern bei einer Wassertiefe von durchschnittlich 2,20 Metern. Die Größe ist für fünf 8 m lange Boote ausgelegt.

Die Anfahrt erfolgt über einen tragfähigen Weg aus begrünten Rasenwaben. Die Boote können über eine Sliprampe zu Wasser gelassen werden. Eine 72 m lange Mole grenzt das Hafenbecken vom Fahrwasser der  Bundeswasserstraße ab und sorgt für eine geschützte Wasserfläche.

Eine Kaimauer dient als Übergang vom natürlichen Gelände zur Wasserfläche. Der Fußweg wurde barrierefrei an das Hafenbecken herangeführt. Dort können Spaziergänger auf zwei Sitzstufenanlagen aus Muschelkalkblöcken Pause machen und die Feuerwehrübungen beobachten.

Durch einen Verblendung des Mauerwerks der Hafenanlage mit gesägten Bruchsteinen aus Muschelkalk fügt sich die gesamte Anlage sehr harmonisch in das Bild der Mainaue ein. Eine Informationstafel vermittelt den Bürgern die Aufgaben der Feuerwehr auf dem Wasser.

Konstruktion

Das statische Stützgerüst des Bootshafens bilden etwa 400 überschnittene Großbohrpfähle mit einem Durchmesser von 0,75m, die in den Felsen eingebunden sind. Vor diese Bohrpfähle sind Fertigteilwände gestellt, die 2 Meter in den Wasserkörper eintauchen und einen vertikalen Abschluss zur Wasserfläche bilden. Auf den Bohrpfahlköpfen liegen die Übungsplattformen mit etwa 1,50 m Breite und ermöglichen sowohl von der Kaimauer als auch der Mole das Besteigen, Beladen und Verlassen der Boote. Wasserbausteine sichern die Mole gegen Wellenschlag und bilden mit ihren Hohlräumen gleichzeitig Unterschlupf für Fische. Im Bereich der Gewässersohle wurden zusätzliche Steinschüttungen angelegt, um Fischen im Winter weitere Rückzugsmöglichkeiten und Laichgebiete anzubieten. 

 

 

 

Baudurchführung

Der Bau des Hafens musste außerhalb des Winters mit seinen regelmäßig wiederkehrenden Winterhochwassern stattfinden, da bereits bei einem leichten Anstieg des Wasserstandes die Baustelle vollständig geflutet worden wäre und es zu Abschwemmungen und Eintrübungen im Main hätte kommen können. Allerdings hat 2013 eines der seltenen Sommerhochwasser die Baustelle überrascht. Glücklicherweise könnte dank der Warnung des Hochwassernachrichtendienstes alles Gerät rechtzeitig und umsichtig geräumt werden, so dass kein wesentlicher Schaden entstand.

Geplant, realisiert und gebaut wurden der Bootshafen und die zugehörigen Anlagen durch die Abteilung „Städtischer Ingenieurbau“ des Staatlichen Bauamtes Würzburg unter Federführung von Dr. Franz Ullmann. Seit dem Spatenstich im Oktober 2012 wurde die Anlage planmäßig in einer Bauzeit von ca. 15 Monaten pünktlich zu Beginn der Lehrgänge der Saison 2014 und unter Einhaltung der vorgesehenen Kosten von 3,3 Mio Euro errichtet. Kurz vor Weihnachten 2013 wurden durch Bagger die Spundwände gezogen, welche das Bauwerk vom Main abtrennten, so dass das Hafenbecken unter Wasser gesetzt wurde.

Neben einem Grillplatz und einem Skaterplatz gelegen bereichert der neue Bootshafen als weitere Facette das Naherholungsgebiet in der Würzburger Mainaue und integriert sich so in das Städtebauliche Gesamtkonzept des Stadtbildes Zellerau. 

 

Kunst am Bau

Doch nicht nur der Feuerwehr sondern auch der Kunst kommt in dem Bauwerk gebührende Beachtung zu. So wurde im Rahmen der Hafeneröffnung auch die Plastik „Bug, Wellensäule und Flammen“ des Oberzeller Künstlers Matthias Engert enthüllt. Sie schmückt künftig den Kopf der Mole und wird ein markantes Erkennungsmerkmal des neuen Bootshafens vom Wasser und von Land aus sein.  

Die Stahlskulptur soll die Aufgaben der Feuerwehr auf dem Wasser symbolisieren. Der Bug aus Edelstahl lehnt sich formal an die im Hafen liegenden Feuerwehrboote an. Er ist fest, geradlinig und stemmt sich gegen die Strömung. Die „Wellensäule“ aus Cortenstahl“ symbolisiert sowohl die Bewegung des Wassers und der Wellen als auch eine züngelnde Flammensäule. Diese wird vom „Bug umschlossen und beherrscht. Das Eindämmen und Beherrschen der Elemente Wasser und Feuer ist auch das Ziel der Ausbildung an der Feuerwehrschule Würzburg.

Feierliche Eröffnung

Am 16. Mai 2014 wurde in Anwesenheit von Staatssekretär Gerhard Eck, dem neuen Oberbürgermeister der Stadt Würzburg Christian Schuchardt, Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer, dem Bundestagsabgeordneten Paul Lehrieder, den Landtagsabgeordneten Kerstin Celina, Günther Felbinger, Manfred Ländner und Peter Winter und im Beisein vieler weiterer Gäste aus den Reihen der Politik, zahlreicher Kreisbrandräte und Führungskräfte der Feuerwehren, der Hilfsorganisationen, des Technischen Hilfswerks und der Polizei sowie der Behörden der in der Zellerau am Mainufer neu errichtete Bootshafen der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg feierlich eröffnet.

Gerhard Eck, Staatssekretär des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, für Bau und Verkehr äußerte in der Eröffnungsansprache seine Freude über die Realisierung dieses bisher in Deutschland einmaligen Bauvorhabens, das nun eine optimale Ausbildung ermöglicht. Der neue Bootshafen sei nicht nur ein besonderes Bauwerk, sondern ein klares Bekenntnis und ein „Ja“ der Bayerischen Staatsregierung zu den zahlreichen, weitestgehend Freiwilligen Feuerwehren im Freistaat und der qualitativ hochwertigen Ausbildung ihrer Dienstleistenden.

Nach Grußworten des neuen Oberbürgermeisters der Stadt Würzburg, Christian Schuchardt und des Stellvertretenden Vorsitzenden des Landesfeuerwehrverbandes Bayern, Norbert Thiel, wurde die Hafenanlage übergeben. Hierzu überreichte der Stellvertretende Leiter des Staatlichen Bauamtes Würzburg, Dr. Franz Ullmann an Staatssekretär Eck eine Schiffsglocke, mit deren Glockenschlägen der Hafen feierlich eröffnet wurde.

Im Anschluss ließen sich die Ehrengäste und Schulleiter Dr. Roland Demke die Gelegenheit nicht nehmen, eine standesgemäße Hafenparade abzunehmen. Die Feuerwehrboote der Schule mit Lehrgangsteilnehmern des aktuellen Bootsführerlehrgangs als Besatzung liefen, gesteuert von Ausbildern der Schule, in Formation vom Main her kommend in ihren neuen Heimathafen ein und nahmen ihn in Besitz. Eine mit dem Nebelhorn zum Gruß abgegebene Signalfolge beendete die Zeremonie.  

Bootstaufe

Zum Abschluss wurde die Bootstaufe des neu beschafften Feuerwehr-Mehrzweckbootes (MZB) der Schule auf den Namen „Baudirektor Bauer“ durchgeführt. Kurt Bauer, welcher die Feuerwehrschule 24 Jahre bis zu seiner Pensionierung 1996 leitete, führte die Zeremonie sichtlich gerührt selbst durch. Eine Sektflasche zerschellte zielsicher am Rumpf und er wünschte der „Baudirektor Bauer“ und seiner Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg allseits gute Fahrt.

Das von der Firma SBS in Andernach hergestellte Aluminiummehrzweckboot ist unsinkbar und seewassergeeignet. Bei einer Länge von 7400 mm und einer Breite von 2500 mm kann es eine Besatzung von 12 Personen aufnehmen. Es besitzt einen sparsamen Innenborddieselmotor mit einer Leistung von 220 PS und Turboprop Z-Antrieb. Es ist mit Suchscheinwerfern ausgestattet. Die 3000 mm x 1400 mm große Ladefläche vor dem Steuerstand ermöglicht den Lastentransport von feuerwehrtechnischer Ausrüstung. Die leichte Beladung ist über eine breite und stabil ausgeführte, hydraulisch betätigte Bugklappe möglich. Zum Einziehen von Ölsperren ist ein unter Last lösbarer Schlepphaken mit einer Kraftaufnahme von 6000 N verbaut. Ein eingebauter Sauganschluss, die Möglichkeit zur Montage einer Tragkraftspritze und eine stabile Halterung für einen Wasserwerfer ermöglichen eine sichere Brandbekämpfung. Am Steuerstand und im Bugbereich sind Echolot-Geräte eingebaut, die zur Suche von Personen und Gegenständen unter Wasser eingesetzt werden können.

Autoren

Ltd. Branddirektor Dr. Roland Demke, Schulleiter

Dipl. Ing. Simone Haubold, Projektleiterin, Staatliches Bauamt Würzburg